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Berliner Zeitung

28. April 2009

»Jeden Monat zwei Mal Opel«

Wirtschaftsministerium bestätigt rasanten Jobabbau

Ruprecht Hammerschmidt

BERLIN. Das Tempo, in dem Arbeitsplätze durch die Krise vernichtet werden, steigt rasch an. Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums gehen monatlich bereits 50 000 Stellen verloren. Das bedeute "jeden Monat zwei Mal Opel", sagte Wirtschaftsstaatssekretär Walther Otremba. Bei dem angeschlagenen Autobauer sind rund 25 000 Menschen beschäftigt. Noch im März hatte sich der Arbeitsmarkt auch dank der vielerorts eingeführten Kurzarbeit vergleichsweise stabil gezeigt. Im vergangenen Monat stieg die Arbeitslosigkeit laut Bundesagentur für Arbeit um rund 34 000 auf 3,586 Millionen. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich um 0,1 Prozent.

Soziale Unruhen möglich

Parallel zur steigenden Arbeitslosigkeit verschärfte sich der Abschwung im ersten Quartal dieses Jahres. Nach Einschätzung des Wirtschaftsstaatssekretärs Otremba ist die Konjunktur in den ersten drei Monaten um 3,5 Prozent geschrumpft. Ende 2008 war sie um 2,1 Prozent gesunken. Für das Gesamtjahr 2009 erwarten die Experten einen Einbruch der Wirtschaftsleistung um sechs Prozent.

Angesichts der steigenden Arbeitslosigkeit schließt die Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB), Jutta Allmendinger, soziale Unruhen nicht aus. Bei hoher Arbeitslosigkeit und ohne Konzepte für die Eingliederung arbeitsloser Menschen in die Gesellschaft "will ich das Risiko nicht kleinreden", sagte sie. "Die Menschen müssen deshalb so lange wie möglich in Arbeit gehalten werden." Sie bemängelte, dass etwa die Frage der Umverteilung von Arbeit als Instrument gegen steigende Arbeitslosigkeit noch nicht diskutiert werde.

Durch die Krise dürfte sich insbesondere die Lage für Langzeitarbeitslose und gering Qualifizierte verschärfen. Nach einer aktuellen Studie des WZB konnten beide Gruppen selbst im zurückliegenden Aufschwung ihre Jobchancen kaum verbessern. Zudem hätten es viele Schulabgänger schwer. "Für Haupt- und teilweise für Realschüler ist die Situation momentan sehr schlimm", sagte die WZB-Präsidentin. Sie forderte für diese Jugendlichen weitgehende Qualifizierungen. Der hohe Qualifizierungsgrad sei notwendig, weil es spätestens nach der Krise vor allem bei anspruchsvollen Dienstleistungen wie im IT-Bereich Jobchancen gebe.

Allmendinger forderte ein Umdenken bei der Beurteilung des sogenannten Aufstockens, also dem Bezug von Hartz IV trotz Arbeit. Die negative Belegung der Zuzahlungen sei falsch, sagte sie. "Wir müssen uns an Aufstocker gewöhnen". Erwerbstätige kämen besser mit dem Leben zurecht, sagte die Wissenschaftlerin. Deshalb sei es besser, wenigstens etwas zu arbeiten, als gar keiner Tätigkeit nachzugehen.

Der Deutschland-Plan: "Die Arbeit von Morgen - Politik für das nächste Jahrzehnt." [PDF, 233,3kB]


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